Kein Fahrverbot am Feldberg - Der „Runde Tisch“ hat getagt
Feldberginitiative mahnt greifbare Maßnahmen an.
Nachdem der Feldberg in den letzten Jahren immer mehr zum Eldorado und rechtsfreien Raum für Motorradraser geworden war, hatten viele lärmgeplagte Anlieger und Anwohner der Feldbergregion aber auch moderate Motorradfahrer Hoffnungen in den von Herrn Landrat Krebs einberufenen Runden Tisch gesetzt. Erwartungsgemäß hat der Runde Tisch noch kein Streckenverbot beschlossen, sondern dies nur als ultima ratio eingeordnet, falls weniger einschneidende Maßnahmen, die in den nächsten Monaten geprüft werden sollen, ihr Ziel verfehlen. Die Feldberginitiative sieht sich in ihrer Einschätzung und Strategie bestätigt und hofft, daß das differenzierte Konzept, welches schon vor Monaten von der Feldberginitiative vorgelegt wurde, nun endlich aufgegriffen wird.


Die von der Feldberginitiative vorgeschlagenen Maßnahmen, wie intelligente Tempolimits,  Überholverbote, die Sperrung nur des Feldbergplateaus, nicht aber des gesamten Feldbergs, für Motorräder, effektivere und konsequentere Verkehrskontrollen auch auf verbotene Umbauten hin sowie der Einsatz von Video-Bikes, wurden vom Runden Tisch noch nicht beschlossen. Es soll zunächst in einer Ortsbegehung geprüft werden, welche Maßnahmen sinnvoll sind. Diese Vorgehensweise und weitere Verzögerung ist erstaunlich, denn eine Ortsbegehung hätte schon lange stattfinden können. Die Fakten wären im übrigen seit langem ermittelbar gewesen. Die Straßenabschnitte, auf denen Tempo 80, Tempo 70 und Tempo 60 sinnvoll sind, sind bekannt, zB Arnoldshain/Sandplacken, Sandplacken/Feldbergplateau, Sandplacken/Oberreifenberg, Teile des Weiltales, Schmitten/Brombach. Gleiches gilt für Überholverbote.

Ein Tempolimit ist im übrigen zwecklos, wenn es nicht regelmäßig kontrolliert wird. Den Ergebnissen des Runden Tisches zufolge sollen lediglich die bisherigen Polizeikontrollen fortgeführt werden. Angeblich soll die Polizei bereits bisher zwei Mal pro Woche am Feldberg kontrolliert haben. Hiervon war aber weit und breit nichts zu sehen. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres hat die Polizei genau zwei Kontrollen am Feldberg offiziell gemeldet, wobei diese Kontrollen auch noch am frühen Nachmittag unter der Woche stattfanden, genau zu der Zeit, zu der die typischen Motorradraser gar nicht unterwegs sind. Wenn jedoch nicht die Kapazitäten für massive Kontrollen zu den relevanten Zeiten substantiell aufgestockt werden, dann wird sich an der Problematik nichts ändern. Nur wenn Verfolgungsdruck aufgebaut wird, gibt es eine Chance, daß Maßnahmen unterhalb eines Streckenverbotes Aussicht auf Erfolg haben. Dies ist seit Jahren bekannt. Deswegen überrascht es, warum bisher so wenig passiert ist und warum der Runde Tisch in dieser Frage immer noch vage bleibt. Man fragt sich, warum Politik und Polizei nicht konsequent die naheliegenden Mittel wählen und massiert über mehrere Wochen durch Radarkontrollen zu den relevanten Zeiten und technische Kontrollen an den bekannten Motorradfahrertreffpunkten die Motorraser aus dem Verkehr gezogen werden. Die Feldberginitiative hofft, daß nun den Worten endlich auch Taten folgen.

Die jetzt anläßlich des Runden Tisches von der Polizei öffentlich gemachten Unfallzahlen am Feldberg belegen, daß es dort einen Unfallschwerpunkt gibt. Rasende Motorradfahrer gefährden dabei nicht nur sich selbst, sondern auch viele andere Verkehrsteilnehmer, Radfahrer und sogar Wanderer. Es ist befremdlich, daß diese Zahlen bei den Behörden und bei den Politikern nicht schon früher zum Eingreifen geführt haben und daß es eines schrecklichen Unfalls und lautstarker Extremforderungen bedurfte, damit ein Runder Tisch einberufen wurde. Der bisherige Ansatz der Verkehrsbehörden, die Strecken für Motorradfahrer „sicherer“ zu machen, hat zudem anscheinend genau das Gegenteil bewirkt. Wie jetzt bekannt wurde, gab es allein in den ersten fünf Monaten 2009 fast so viele Motorradunfälle wie im gesamten Jahr 2008!!!

Die Feldberginitiative wird die Umsetzung der jetzt ins Auge gefaßten Maßnahmen kritisch verfolgen. Wir nehmen dabei die Politiker und die Behörden beim Wort und stehen für die Begleitung der Ortstermine zur Verfügung. Entscheidend wird die substantielle Erhöhung bzw. Schaffung von Polizeipräsenz und die Vervielfachung von Kontrollen sein. Nur hierdurch kann ein Streckenverbot noch vermieden werden.

Schmitten, im Juli 2009